NEUSEELAND - Paradies am Ende der Welt?
Tobias Hauser
Sonntag, 16. Januar 2011 / Einlass 19 Uhr, Beginn 19:30 Uhr
Paulussaal, Dreisamstraße 3, 79098 Freiburg
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Im Anfang war alles dunkel für eine unvorstellbar lange Zeit. „Mutter Erde“ und „Vater Himmel“ lagen dicht aneinander. Ihr Sohn Tane der Gott der Wälder, jedoch sehnte sich nach dem Licht und beschloss seine Eltern zu trennen. Mit aller Kraft versuchte er sich zwischen sie zu drängen und seinen Vater mit den Füßen nach oben zu stoßen. Plötzlich fielen das Licht des Mondes, der Morgendämmerung und des hellen Tages auf sie herab, und das Blut aus den Wunden der auseinander gerissenen Eltern wurde am Himmel zum Sonnenuntergang und auf der Erde zu rotem Ton.
Grüne Farbkleckse im blauen Meer
Mit dieser schönen Maori-Schöpfungs- geschichte beginnt der neue Diavortrag „Neuseeland – Paradies am Ende der Welt?“ des Freiburger Fotografen Tobias Hauser. Über fünf Jahre bereiste er mehrfach das „Land der langen weißen Wolke“ wie die Maori ihr Land nennen.
Sucht man jene beiden ins Blau der Meere getupften grünen Farbkleckse auf der Weltkarte, wandert der Finger von der Ostküste Australiens etwa 2500 Kilometer nach Südosten: Dort, knapp 5000 Kilometer von der Antarktis entfernt, breitet sich auf einer Fläche von circa 270000 Quadratkilometern jenes Inselreich aus, das viele noch heute für ein landschaftliches Paradies halten.
Die geologische Entstehungsgeschichte dieses Inselreiches, mit seinen unterschiedlichsten Landschaftsformen liest sich etwas prosaischer als der Maori-Mythos, aber dass es dabei ordentlich gekracht hat, haben beide Versionen gemeinsam: Neuseeland liegt im Grenzbereich zweier riesiger Platten der Erdkruste – der Indisch-Australischen und der Pazifischen, die einst zum Großkontinent Gondwana gehörten.
Brodeln unter der Erdkruste
Auch biologische Relikte überdauerten die Zeit: die Kauri-Fichte (Agathis australis) etwa, ein urtümlich wirkender Baum, dessen Stamm bis zu 20 Meter Umfang erreichen kann und dessen Krone sich erst in 25 Meter Höhe über dem Boden öffnet. Die Indisch-Australische und die Pazifische Platte bewegen sich einerseits aufeinander zu, andererseits aneinander vorbei, und eine Folge dieser Bewegungen ist das „Abtauchen“ der Pazifischen Platte unter die Indisch-Australische im Bereich der Nordinsel. Die auf diese Weise entstehenden enormen Druck- und Temperaturunterschiede in der Erdkruste entladen sich an der Erdoberfläche in Vulkanen, Geysiren, Thermalquellen, Schlammtöpfen und Fumarolen
Zwischen Südalpen und Westküste
Im Bereich der Südinsel schiebt sich die Pazifische über die Indisch-Australische Platte, was die andauernde Auffaltung der Southern Alps zur Folge hat. Die Freisetzung gewaltiger Energien im Grenzbereich der beiden Erdkrustenplatten prägt aber nicht nur die so vielfältige wie abwechslungsreiche Landschaft Neuseelands – dass man hier auf „unruhigem Boden“ lebt, beeinflusst auch die Mentalität der knapp vier Millionen Neuseeländer, von denen heute nicht einmal mehr 15 Prozent Maori sind, die Nachfahren der ersten polynesischen Siedler.
Der Rest der Welt ist ganz weit weg
Die Erfahrung einer allmächtigen Natur mag zu einem milde fatalistischen Gleichmut führen, und die Erkenntnis, hier am anderen Ende der Welt „ganz weit weg“ von allen hektisch-urbanen Ansiedlungen zu sein, führt zu Abstand nicht nur im geographischen Sinn: Oft hat man den Eindruck, die Neuseeländer nähmen sich selbst und die Dramen des Alltags nicht ganz so ernst wie das anderswo, ein paar tausend Wasserkilometer entfernt hinter dem blauen Horizont der Fall ist, und das führt wohl zu auch jener freundlichen Gelassenheit, mit der sie in der Regel den Fremden begegnen, die ihre Inseln besuchen.
Kiwis, Goldsucher und Kauri-Digger
Also doch ein Paradies auf Erden? Dieser Frage geht Tobias Hauser in seinem Vortrag auf den Grund. In atemberaubend schönen Bildern und stimmungsvoller Musik zeigt er ein Land, dessen vielfältige Schönheit schier grenzenlos zu sein scheint. Hauser erzählt genau recherchierte Geschichten, zeigt Menschen die sich für den Schutz dieses fragilen Naturparadieses einsetzen, traf Goldsucher, Hochseefischer, Kauri-Digger, Schafzüchter und Sir Edmund Hillary, den Erstbesteiger des Mount Everest und wohl berühmtesten Neuseeländer. Er besuchte eine Aufzuchtstation des seltenen Kiwi-Vogels und zeigt die halsbrecherischen Funsportler in ihrem Element. Er portraitiert die schönsten Landschaften des Landes, zeigt die touristischen Highlights, aber auch die versteckten Schätze abseits der klassischen Reiserouten.
Tobias Hausers abwechslungsreicher, sehr unterhaltsamer und informativer Vortrag beleuchtet nicht nur die paradiesischen Seiten der Inseln, sondern setzt sich auch mit den Problemen des Landes auseinander, wie etwa den Folgen der boomenden Milchwirtschaft oder der Opossum-Plage, die immer mehr Urwald bedroht und gegen die die Regierung machtlos scheint. Der Vortrag ist Hausers ganz persönliche Liebeserklärung an Neuseeland.
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