Grusswort von Sir Edmund Hillary zur 2. MUNDOlogia
Das ganze MUNDOlogia Team hat sich sehr über die Grußzeilen von Sir
Edmund Hillary (Erstbesteiger
des Mount Everest) aus Neuseeland gefreut. Tobias Hauser interviewte Sir
Edmund Hillary im Oktober 2004 in seinem Haus in Auckland und sprach mit
ihm über das MUNDOlogia Festival. Einige Wochen später bekamen wir
einen Brief aus Auckland: (den englischen Original-Text finden Sie unten)
Als ich als 16-jähriger Schüler 1935 zum ersten Mal überhaupt in meinem
Leben in die Berge kam, zum Ruapehu in meiner Heimat Neuseeland, war das
eine „Liebe auf den ersten Blick“. Die Welt aus Eis und Schnee hatte
mich sofort gefangen genommen. Damals, ich erinnere mich noch gut,
wollte ich auch gleich die nächsten umliegenden Gipfel besteigen und
erforschen. Später verbrachte ich möglichst jede freie Minute in den
Bergen und bemerkte bald: Diese ersten Erfahrungen waren so
tiefgreifend, dass sich mein Leben zu verändern begann – und damit meine
Ziele und Wünsche. Die Welt der Berge wurde für mich zur wahren Passion.
Zunächst war es ganz gewiss die unglaubliche Schönheit der Natur, die
mich fesselte. Dann aber auch das Abenteuer und jede, wirklich jede
Herausforderung, einen neuen Berg zu bezwingen und dabei möglichst in
eine Region vorzudringen, die vor mir noch nie ein Mensch betreten
hatte. Zwangsläufig führte mich dieser Weg an den Fuß des Mount Everest,
vor dem ich höchsten, allerhöchsten Respekt hatte. Als ich mit meinem
Sherpa Tensing Norgay am 29. Mai 1953 auf dem höchsten Gipfel der Erde
(8.850 Meter) stand, blickte ich über ein Tal hinüber zum Makalu, einem
der fünf höchsten Berge auf der Welt und stellte mir dort eine Route vor,
auf der man ihn erobern könnte. Später schaffte das eine französische
Expedition auf exakt jenem Weg. Man bedenke, wir standen damals als
erste Menschen gerade auf dem höchsten Berg unserer Erde, und ich suchte
– typisch für mich in jener Zeit – bereits die nächste Herausforderung.
Dieses Suchen hat mich über viele Jahre immer wieder neu angetrieben,
sei es beim Besteigen von Gipfeln in vielen Erdteilen oder auf
Entdeckungsreisen in die Antarktis. So gestaltete sich mein Leben in
drei Etappen: Zunächst als Abenteurer und als ich etwas älter wurde,
als Organisator von Expeditionen. Jetzt, im dritten Abschnitt, gilt
mein ganzer Einsatz dem Schutz der Umwelt und der Unterstützung der
Menschen im Himalaya. Denn auch deren Lebensformen sind, nicht zuletzt
auch durch die hemmungslose Kommerzialisierung des Bergsteigens,
gefährdet.
Unsere Welt ist so schön, sie muss in ihrer von Natur und Menschen
geschaffenen, unermesslichen Vielfalt beschützt und bewahrt werden. Wenn
auch paradiesische Zustände auf unserem Globus leider längst
Vergangenheit sind, lohnt es sich, mit aller Kraft dafür zu arbeiten.
Denn mit großer Wahrscheinlichkeit werden die wunderbaren Naturgüter in
Zukunft größere Werte beinhalten als unsere gegenwärtigen materiellen
und technischen Errungenschaften. Jedes Engagement für die Bewahrung der
Umwelt wird leichter und verständlicher, je mehr man über unsere Erde
mit ihren Menschen, Kulturen und vielfältigen Lebensweisen weiß. Nicht
jedem ist es wie mir vergönnt, weite Teile der Erde selbst kennen
gelernt zu haben. Daher, wer mehr als nur einen oberflächlichen Blick
auf einige der schönsten Gebiete der Welt werfen möchte, der hat vom 11.
bis 13. Februar auf dem Freiburger MUNDOlogia-Festival (spanisch:
Weltkenntnis) meines Freundes Tobias Hauser Gelegenheit, sich dorthin
„auf die Reise“ zu begeben. Nicht nur zu touristischen Attraktionen,
sondern gerade auch, um die sozialen, politischen und ökologischen
Probleme und Konflikte zu begreifen, die jeden von uns aus den
unterschiedlichsten Gründen überall bedrohen – in Ihrer Heimat im
Schwarzwald ebenso wie im fernen Himalaya.
Herzlichst, Ihr
Das Grußwort von Sir Edmund Hillary in der englischen Original-Fassung:
As I first came to the mountains as a 16 year old schoolboy, to Ruapehu
in my homeland, New Zealand, it was a case of "love at first sight". The
world of ice and snow had me immediately captivated. Back then, and I
remember it well, I wanted to immediately climb and explore the
surrounding peaks. Later, I spent every spare minute I had in the
mountains and soon noticed that these experiences were beginning to
affect my whole life and hence, my goals and my desires. The world of
mountains became a genuine passion for me. It was almost certainly the
incredible beauty of nature that had me so captivated. But it was also
the adventure and every, and I mean every, challenge involved in
climbing a new mountain and to tread in an area where no man had ever
walked before. Inevitabtly, my journey took me to Mount Everest, for
which I held the utmost respect. As I stood with my sherpa, Tensing
Norgay, on the highest peak in the world (8,850 m)on 29th May 1953, I
looked over the valley to Makalu, one of the five higest mountains in
the world and imagined a route that could be used to conquer it.
Later, a French expedition did it in exactly this way. Think of it,
we're the first people standing on the highest mountain on Earth and I
was already looking for my next challenge -typical! This searching keep
driven me over the years, whether it was conquering new peaks or
exploring the Antarctic. And so, my life structured itself in 3 stages:
first, as an adventurer and then, as I got older, as expedition
organiser.
Now, in my third phase my energies are devoted to protection of the
environment and the support of the Himalayan people. Because their way
of life is also threatened, not least by the commercialisation of
mountaineering. Our world is so beautiful and must be protected and
appreciated in all its diversity of nature and people. Even if global
circumstances are no longer utopian, it is still worthwhile to put
energy into striving towards it. For it is very probable that the
wonderful gifts of nature will transpire to be far more vauable in the
future than all current material and technical achievements. Every
effort to help protect the environment is easier and more comprehendible
the more we know about this earth and her people, cultures and diverse
lifeforms. Not everyone has had the priviledge - like me – of having
gotten to know many areas of the Earth. And so, whoever wants to gain
more than just a cursory view of some of the most beautiful parts of the
world need look no further than the festival MUNDOlogia in
Freiburg, organised by my friend Tobias Hauser, where they can "go on a
journey". The journey is not merely heading towards tourist attractions
but also attempts to explore social, political and ecological problems,
which are threatening us all for many different reasons from the Black
Forest to the far distant Himalayas.
With Best Regards
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